Edition 2026 · Handgefasst in Leipzig
KACKE STIFT
Ein Zeichenstift ohne Mine. Was schreibt, ist das Material selbst — vom Künstler persönlich, ohne Umweg über Graphit.
01 — Das Objekt
Ein Stift. Acht Teile.
Null Geheimnisse.
Weiter scrollen — er nimmt sich auseinander.
02 — Härtegrade
Bleistifte haben HB.
Wir haben B1 bis B7.
Klassifiziert nach der Bristol-Skala. Die Spitze rechts verändert sich mit. Unter dem Regler: ein Probestrich.
Glatte Wurst
Alles · Allround
Der Klassiker. Unser HB.
03 — Zeichenstudio
Mach was draus.
Zeichnen, verwischen, signieren. Dein Werk bleibt bei dir — nichts wird hochgeladen.
04 — Herstellung
Vier Handgriffe.
Keine Maschine.
- 1
Herkunft
Das Material wird genommen, wie es kommt. Kein Verschnitt, keine Mischung, kein Termindruck.
ca. 1× täglich - 2
Kern
Daraus entsteht die Schreibmasse. Dicht, trocken, in Stiftform gebracht. Mit Geduld und Lüftung.
3 Wochen Trocknung - 3
Fassung
Der Kern sitzt im Schaft. Silberring, klare Manschette, versiegeltes Ende. Alles von Hand.
40 Minuten - 4
Spitze
Das Schreibende wird geformt. Dann wird das Stück signiert, nummeriert und kurz bewundert.
1 Atemzug Stille
05 — Werktisch
Acht Aufnahmen. Schieb sie rum.
Ziehen, werfen, antippen zum Vergrößern.








06 — Bewegtbild
Die Spitze,
die schreibt.
Zehn Sekunden Atelierfilm. Kein Schnitt gelogen.
07 — Stift-o-Mat
Welcher Härtegrad bist du?
Vier Fragen. Wissenschaftlich fragwürdig. Ergebnis sofort.
08 — Der Künstler
Leo Köppen
Lebt und arbeitet in Leipzig. Seine Arbeiten kreisen um die Frage, wie viel vom Hersteller im Werkzeug verbleibt.
Köppen wuchs im dritten Stock eines Altbaus in Gohlis auf, dessen Treppenhaus bis 2004 nach Bohnerwachs roch. Der Vater war Vermessungstechniker. Die Mutter sammelte Bierdeckel aus Leipziger Gaststätten, die inzwischen geschlossen haben — 1.140 Stück, sortiert nicht nach Brauerei, sondern nach dem Datum der Schließung. Köppen bezeichnet diese Sammlung als seine erste Begegnung mit dem Archiv und als Grund, warum er bis heute in keiner Gaststätte länger als nötig sitzt.
Die Sommer verbrachte er bei seiner Großmutter in Wurzen. Dort lernte er, die Regionalbuslinien am Motorgeräusch zu unterscheiden. Die Linie 690 erkennt er nach eigener Angabe noch heute, auch durch geschlossene Fenster.
Eine Kunsthochschule hat Köppen nicht besucht. Nach einer Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik studierte er zwei Semester Geodäsie in Dresden und brach ab, nach eigener Darstellung „wegen eines Missverständnisses über den Begriff Höhenbezug“. Er hält das Lagerwesen bis heute für die ehrlichere Disziplin: Dort wisse man wenigstens, was hereinkommt.
Er arbeitet ausschließlich zwischen 6:40 und 9:15 Uhr. Danach beantwortet er E-Mails, die er zuvor mit Bleistift auf Karteikarten vorformuliert. Er besitzt drei identische graue Pullover, gekauft 2011 beim Räumungsverkauf eines Herrenausstatters in Halle, die er nach Wochentagen trägt. Am Wochenende trägt er keinen davon.
Die Entwicklung des Kackestifts dauerte sieben Jahre. Die ersten 212 Prototypen scheiterten an der Manschette. Jeder ist in einem Leitz-Ordner mit der Aufschrift „M“ dokumentiert, mit Datum, Raumtemperatur und einer Zeile Bemerkung. Die häufigste Bemerkung lautet „nein“.
Nach seinen Einflüssen gefragt, nannte Köppen in einem Interview mit einem Regionalsender einmal nur den Leipziger Abfallkalender von 1998, den er „formal einwandfrei“ fand. Er lebt mit einer 41 Jahre alten Landschildkröte namens Herr Lehmann, die er von einer Nachbarin übernommen hat und die ein eigenes Zimmer mit Südfenster bewohnt. In Berlin war er noch nie, aus einem Prinzip, das er nicht erläutert. Donnerstags spielt er Skat. Seit 2009 führt er Buch: 2.318 Spiele, Gesamtbilanz minus 46,20 Euro.
Einzelausstellungen (Auswahl)
- 2026
- „Kern“, Atelier Köppen, Leipzig. Geöffnet nach Vereinbarung; bislang nicht vereinbart.
- 2023
- „Fassung“, Schaufenster einer ehemaligen Reinigung, Leipzig-Lindenau
- 2019
- „212“, Vereinsheim eines Kleingartenvereins, zwischen Skatabend und Jahreshauptversammlung
Förderungen & Preise
- 2021
- Arbeitsstipendium der Großmutter, 50 € monatlich, zweckgebunden „für Material“
- 2017
- 2. Platz, Kürbisschau des Kleingartenvereins, Kategorie Form
- 2006
- Urkunde für regelmäßige Teilnahme, Bundesjugendspiele
Sammlungen
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- Privatsammlung Herr Lehmann, Leipzig
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- Diverse Schreibtischschubladen in Sachsen und Thüringen
- —
- Ordner „M“ (Werkverzeichnis, unvollständig)
„Ich wollte nie Künstler werden.
Ich wollte nur wissen, ob es geht.“
09 — Gästebuch
Stimmen von der Wand.
„Er schreibt wie ein trockenes Pastell — und man weiß in jeder Linie, was man in der Hand hält.“
Dr. Helena Weiss · Kuratorin„Das Objekt ist ruhig. Die Idee ist es nicht.“
Markus Brenner · Sammler„Gehört in eine Vitrine. Dann setzt man ihn an, und er gehorcht.“
Julia Hartmann · Galeristin„Hab B7 bestellt. Bereue nichts. Teppich schon.“
Kai · LeipzigDein Eintrag hängt hier in deinem Browser und geht per Mail an den Künstler. Die Stimmen oben sind frei komponiert.
10 — Edition 2026
Dein Exemplar.
- Schaft in der Farbe des Materials
- Klare Manschette, zwei Silberringe
- Härtegrad nach Wahl (B1–B7)
- Präsentationsbox & nummeriertes Zertifikat
*Kunstprojekt. Über diese Seite wird nichts verkauft; Preis und Reservierung gehören zur Inszenierung. AGB
11 — Fragen
Ja, wirklich.
Womit schreibt der Stift?
Mit der Spitze selbst. Es gibt keine auswechselbare Mine. Das Material ist die Mine und legt sich trocken aufs Papier, ähnlich einem Pastell.
Riecht er?
Nach drei Wochen Trocknung und Versiegelung: nach nichts. Meistens. Bei B6 und B7 übernehmen wir keine Garantie.
Kann ich ihn anspitzen?
Ja. Wir empfehlen einen Spitzer, den Sie nicht mehr für andere Stifte brauchen.
Ist das Kosmetik?
Nein. Er ist zum Zeichnen auf Papier. Die Augenbrauen-Aufnahme auf dem Werktisch ist ein Warnbild, keine Anleitung.
Ist die Edition begrenzt?
Ja. Jedes Stück trägt eine Nummer. Die Menge folgt der Arbeit im Atelier — und die folgt der Verdauung.
Kann ich das wirklich kaufen?
Nein. Kackestift ist eine künstlerische Inszenierung. Es kommt kein Vertrag zustande, es wird nichts geliefert oder berechnet.